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Chelsea Manning
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Chelsea Elizabeth Manning (* 17. Dezember 1987 als Bradley Edward Manning,cite-ref-court-1-0[1] in Oklahoma City) ist eine US-amerikanische Whistleblowerin. Sie war Angehörige der US-StreitkrĂ€fte und als Nachrichtendienstanalytikerin tĂ€tig. Manning wurde im Mai 2010 unter dem Verdacht verhaftet, Videos und Dokumente kopiert und der Website WikiLeaks zugespielt zu haben. In dem daraus resultierenden Verfahren wurde in insgesamt 21 Punkten Anklage erhoben. Nach einem TeilgestĂ€ndnis wurde sie Ende Juli 2013 in 19 Punkten, darunter Spionage und Diebstahl, fĂŒr schuldig befunden. Das verhĂ€ngte Strafmaß betrug 35 Jahre Freiheitsstrafe, doch erließ US-PrĂ€sident Barack Obama am 17. Januar 2017 Manning einen Großteil der Strafe.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3] Am 17. Mai 2017 wurde sie freigelassen. Vom 8. MĂ€rz 2019 bis MĂ€rz 2020 war sie zwecks Erzwingung einer Zeugenaussage in Beugehaft; nach Auflösung des Gremiums, vor dem sie aussagen sollte, wurde sie entlassen.cite-ref-4[4]

Contents

‱ Leben
‱ Verhaftung
‱ Beugehaft
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Leben

Kindheit und Jugend

Manning wuchs in Crescent, einer kleinen City in Logan County, am Ă€ußersten Rand der Oklahoma City Metropolitan Area als Junge auf.cite-ref-nytthelonelyroad-5-0[5] Laut der Ă€lteren Schwester waren beide Eltern alkoholkrank.cite-ref-6[6] Aufgrund seiner BeschĂ€ftigung als IT-Manager war der Vater öfter auf mehrwöchigen Reisen, in diesen ZeitrĂ€umen waren die Kinder sich weitgehend selbst ĂŒberlassen.

Im Alter von acht Jahren lernte Manning vom Vater, in C++ zu programmieren; schnell eignete sie sich weiteres Wissen an und verbrachte einen guten Teil der Freizeit vor dem Computer. Im Jahr 2000 ließen sich die Eltern scheiden, und Manning vertraute ihrer Mutter sowie einem Freund an, dass sie sich in einen Jungen verliebt habe. Die vermeintliche HomosexualitĂ€t Mannings war in der Schule Ursache fĂŒr Mobbing.cite-ref-7[7]

Zwischen 2001 und 2005 lebte Manning mit der Mutter in Wales und kehrte anschließend in die USA zurĂŒck. Ab diesem Zeitpunkt liebte sie offen MĂ€nner (Androphilie) und hatte mehrere Lebensabschnittspartner. Nachdem sie ein begonnenes Studium abgebrochen und mehrmals die Arbeitsstelle gewechselt hatte, legte Mannings Vater ihr nahe, sich bei der United States Army zu bewerben, um StabilitĂ€t in ihr Leben zu bringen. RĂŒckblickend gab Manning an, gehofft zu haben, der Armeedienst wĂŒrde den Schmerz in ihrem Leben verschwinden lassen.cite-ref-nytthelonelyroad-5-1[5]

Rolle in der US-Armee

Manning trat im Oktober 2007 in die United States Army ein. Nach der Grundausbildung in Fort Leonard Wood, Missouri wurde Manning aufgrund ihrer IT-Fachkenntnisse in Fort Huachuca, Arizona zur Nachrichtendienstanalytikerin ausgebildet.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9] In weiterer Folge war Manning in Fort Drum sowie von Mitte 2009 bis Mai 2010 auf dem vorgeschobenen StĂŒtzpunkt („Forward Operating Base“) Hammer etwa 60 Kilometer östlich von Bagdad stationiert. Aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer Funktion als nachrichtendienstliche Analytikerin in einem AufklĂ€rungs- und Abwehrbataillon erhielt sie die Freigabe fĂŒr die Geheimhaltungsstufen „Top Secret / Sensitive Compartmented Information“ und hatte sowohl in Fort Drum als auch in der FOB Hammer Zugang zu geheimen Informationen ĂŒber das SIPRNet (ein Rechnernetz des Außen- und Verteidigungsministeriums der USA).cite-ref-r-b-10-0[10] Im Irak bestand Mannings Aufgabe darin, die ĂŒber das SIPRNet ĂŒbermittelten Informationen anderer Einheiten zu analysieren und daraus Lagebilder der Sicherheitslage zu erstellen, ihre Dienstzeiten waren ausschließlich nachts, daher schlief sie tagsĂŒber und hatte kaum Kontakt zu anderen Soldaten.cite-ref-nytthelonelyroad-5-2[5]

WĂ€hrend Manning in ihrem Privatleben offen Beziehungen zu MĂ€nnern pflegte, musste sie diese innerhalb der Army geheim halten, um nicht mit der damals noch geltenden Regelung „Don’t ask, don’t tell“ in Konflikt zu kommen. In einem anonymen Interview fĂŒr ein Internet-Nachrichtenportal erklĂ€rte sie, dass diese Regelung fĂŒr sie das Schlimmste am MilitĂ€r sei und sie deswegen ein Doppelleben fĂŒhren mĂŒsse.cite-ref-11[11]cite-ref-12[12]cite-ref-szgupta-13-0[13] Mannings Beziehung zu einem Studenten zerbrach im Herbst 2009 kurz vor ihrer Verlegung in den Irak.cite-ref-14[14]

Im November 2009, einen Monat nach ihrer Ankunft im Irak, wandte sich Manning an einen Berater fĂŒr Geschlechterfragen und gab an, dass sie sich als Frau fĂŒhle und daher vollstĂ€ndig in der weiblichen Geschlechtsrolle leben sowie geschlechtsangleichende Maßnahmen ergreifen wolle. Dem Therapeuten vertraute sie auch an, dass aufgrund einer ihrer militĂ€rischen Analysen ein Unschuldiger getötet worden sei.cite-ref-15[15]

Weitergabe vertraulicher Dokumente

Manning war ihrer eigenen Aussage nach immer mehr darĂŒber bestĂŒrzt, wie gering das öffentliche Bewusstsein ĂŒber die Sinnlosigkeit dieses Krieges war. Sie begann, sich in Chatrooms der Plattform WikiLeaks einzuloggen und dort Unterhaltungen mitzuverfolgen.cite-ref-nytthelonelyroad-5-3[5]

Am 5. Januar 2010 lud Manning 400.000 den Irakkrieg betreffende Dokumente aus der CIDNE-Datenbank herunter und brannte sie auf CDs. Drei Tage spĂ€ter tat sie das Gleiche mit 91.000 Dokumenten, die Afghanistan betrafen. Laut Mannings Aussage geschah dies vollkommen einsehbar fĂŒr jeden anderen Soldaten. Mindestens eine der CDs beschriftete sie mit der Aufschrift „Lady Gaga“, um ihren Inhalt als Musik zu tarnen. Die CDs konnte Manning ohne Einschreiten anderer Soldaten aus der Sicherheitszone hinaus und wieder hinein transportieren.cite-ref-16[16] Von den CDs kopierte Manning die Daten auf die SD-Karte ihrer persönlichen Kamera, die sie Ende Januar 2010 auf einen zweiwöchigen Heimaturlaub in die USA mitnahm. Dort kontaktierte sie die Washington Post und die New York Times, doch erreichte sie nur eine uninteressierte Journalistin und einen Anrufbeantworter. Ein Besuch des BĂŒros von Politico scheiterte laut Manning an schlechten Wetterbedingungen, weshalb sie kaum das Haus ihrer Tante habe verlassen können.cite-ref-17[17] Am 11. Februar kehrte Manning in den Irak zurĂŒck.

Rund um den 18. Februar 2010 las Manning ein GesprĂ€ch ĂŒber die islĂ€ndische Finanzkrise im Wikileaks-Chatroom. Sie recherchierte in den ihr zugĂ€nglichen Datenbanken und ĂŒbermittelte mehrere diplomatische Depeschen, die die UntĂ€tigkeit der USA gegenĂŒber Island betrafen, an Wikileaks. Innerhalb weniger Stunden wurden die Depeschen von der Plattform veröffentlicht.cite-ref-nytthelonelyroad-5-4[5] Im selben Zeitraum debattierten einige Analysten ĂŒber ein Video, das in einem Ordner des Judge Advocate General’s Corps abgelegt war und den Beschuss und Tod irakischer Zivilisten und Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters durch einen amerikanischen Kampfhubschrauber am 12. Juli 2007 in Bagdad zeigte. Manning gab spĂ€ter an, sie habe das Video an Reuters ĂŒbermitteln wollen, sei jedoch durch die Veröffentlichung der Island-Depeschen beeinflusst worden, weiteres Material an Wikileaks zu senden. Am 5. April 2010 wurden die von Wikileaks bearbeiteten Videoaufnahmen unter dem Titel Collateral Murder veröffentlicht.cite-ref-manning-admits-18-0[18]

Zu den von Manning weitergegebenen Videos zĂ€hlen möglicherweise auch Aufnahmen des Luftangriffes bei Garani am 4. Mai 2009 im Westen Afghanistans. Weiterhin finden sich in den Dokumenten 303 FĂ€lle von Folter durch die Besatzungstruppen im Irak im Jahr 2010.cite-ref-19[19] Auch Informationen, die Ende November 2010 zu der Veröffentlichung von Depeschen US-amerikanischer Botschaften durch Wikileaks und im April 2011 zur Offenlegung von Informationen ĂŒber das Gefangenenlager Guantanamo fĂŒhrten, gehen auf sie zurĂŒck.cite-ref-manning-admits-18-1[18]cite-ref-20[20]cite-ref-21[21]cite-ref-22[22]

Verhaftung

Am 26. Mai 2010 wurde Manning im Irakcite-ref-23[23] unter dem Verdacht verhaftet, militÀrische Videos und Dokumente kopiert und als Whistleblowerin der Website WikiLeaks zugespielt zu haben.cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]cite-ref-26[26]

Über die HintergrĂŒnde der Verhaftung gibt es unterschiedliche Darstellungen: lamo-chats

‱ Manning soll sich ab dem 21. Mai 2010cite-ref-27[27] Adrian Lamo, einem Sicherheitsspezialisten der US-Regierung, in einem Chat anvertraut haben. Drei Tage spĂ€ter informierte Lamo US-Behörden, die in weiterer Folge den Chat mitverfolgten. Manning offenbarte, dass sie die Daten auf eine CD gebrannt und als Musik-Videos von Lady Gaga beschriftet habe, daraufhin nahmen die US-Behörden Manning am 26. Mai fest. Lamo hatte den Chat mitgeschnitten, dieser wurde vom Technikmagazin Wired zunĂ€chst auszugsweise und im Juli 2011 schließlich vollstĂ€ndig veröffentlicht.cite-ref-szgupta-13-1[13]cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]

‱ Nach anderen Informationen soll Lamo als Mitarbeiter des geheimen „Project Vigilant“, eines durch Spenden aus der Privatwirtschaft unterstĂŒtzten Selbstschutzprojekts, ĂŒber das Surfverhalten auf Manning aufmerksam geworden sein und nachgewiesen haben, dass Manning das Video Collateral Murder an Wikileaks sendete. Entweder Lamo oder Chet Uber, der Leiter des Projekts, sollen dann die Behörden informiert haben.cite-ref-30[30]

Haftbedingungen

Manning wurde zunĂ€chst im Camp Arifjan in Kuwait inhaftiert und Ende Juli 2010 auf die Marine Corps Base Quantico verlegt.cite-ref-cnn-31-0[31] Dort war sie unter sehr scharfen Haftbedingungen in Einzelhaft, sie musste sich 23 Stunden am Tag in ihrer Zelle aufhalten und hatte keinerlei Zugang zu Nachrichten und aktuellen Informationen, Bettlaken oder Kissen wurden ihr verwehrt.cite-ref-32[32] Die Bedingungen entsprachen denen eines Supermax-GefĂ€ngnisses mit Isolationshaft,cite-ref-33[33] die zu psychischen, kognitiven und körperlichen SchĂ€den fĂŒhren können.

Im MĂ€rz 2011 wurde ĂŒber ihren Verteidiger David Coombs bekannt, dass Manning ohne BegrĂŒndung die Kleidung abgenommen wurde und sie gezwungen worden sei, nachts sieben Stunden lang nackt in ihrer Zelle auszuharren und morgens nackt vor ihrer Zelle anzutreten. Brian Villiard, ein Sprecher des GefĂ€ngnispersonals, bestĂ€tigte den Vorfall unter Berufung auf die GefĂ€ngnisregeln.cite-ref-34[34]cite-ref-35[35]cite-ref-36[36]cite-ref-37[37] Eine schriftliche Beschwerde Mannings ĂŒber die Haftbedingungen wurde sechs Monate spĂ€ter abgelehnt.cite-ref-38[38]cite-ref-39[39]

Im April 2011 teilte das amerikanische Verteidigungsministerium mit, dass Manning in Hinblick auf einen kommenden Prozess psychiatrisch untersucht werden sollte und in das MilitĂ€rgefĂ€ngnis United States Disciplinary Barracks in Fort Leavenworth, Kansas verlegt werde. Dort verbesserten sich ihre Haftbedingungen, sie durfte Besuch empfangen und Kontakt zu anderen Gefangenen haben. UnterstĂŒtzer Mannings kritisierten zunĂ€chst, sie sei nun noch weiter von ihrer Familie und ihrem Anwalt entfernt, zeigten sich dann jedoch zufrieden mit der Verlegung.cite-ref-40[40]cite-ref-41[41]cite-ref-42[42]cite-ref-43[43]cite-ref-44[44] Die psychologische Untersuchung ergab ihre ProzessfĂ€higkeit.cite-ref-45[45] Im Verlauf der Gerichtsverhandlung in Fort Meade wurde Manning Anfang 2012 an einen unbekannten Ort in der NĂ€he von Fort Meade verlegt.cite-ref-46[46] Aufgrund der außergewöhnlich harten Haftbedingungen in Quantico wurde im Januar 2013 Mannings mögliche Haftstrafe um 112 Tage reduziert.cite-ref-47[47]

Öffentliche Reaktionen

Ein Bericht des amerikanischen Journalisten Glenn Greenwald ĂŒber Mannings Haftbedingungencite-ref-salon-48-0[48] fand im Dezember 2010 verschiedentlich Beachtung auch im deutschsprachigen Raum.cite-ref-49[49]cite-ref-50[50]cite-ref-51[51] Greenwald war fĂŒr einen frĂŒheren Bericht ĂŒber den Fall Manningcite-ref-52[52] im Oktober 2010 ein Preis fĂŒr Online-Journalismus zugesprochen worden.cite-ref-53[53] Im selben Monat richteten UnterstĂŒtzer Mannings eine Beschwerde wegen ihrer Haftbedingungen an Manfred Nowak, den Sonderberichterstatter ĂŒber Folter der Vereinten Nationen. Dessen BĂŒro gab an, der Beschwerde nachzugehen, wĂ€hrend das amerikanische Verteidigungsministerium die VorwĂŒrfe zurĂŒckwies.cite-ref-54[54]

Nowaks Nachfolger Juan E. MĂ©ndez wurde mehrmals ein vertrauliches Treffen mit Manning verweigert, worĂŒber er sich im Juli 2011 öffentlich beklagte.cite-ref-55[55] SpĂ€ter, im MĂ€rz 2012, kritisierte MĂ©ndez die Behandlung Mannings wĂ€hrend ihrer achtmonatigen Haft in Quantico als „grausam, unmenschlich und demĂŒtigend“.cite-ref-56[56] Im Januar 2011 warf Amnesty International der US-Regierung „unmenschliche Behandlung von Bradley Manning“ vor, forderte die Lockerung der Haftbedingungen, die „die Verpflichtungen der USA, HĂ€ftlinge menschlich zu behandeln“, verletzten, verfasste einen offenen Brief an den amerikanischen Verteidigungsminister Robert Gates und bekrĂ€ftigte die Forderungen zwei Monate spĂ€ter auch in einem offenen Brief an PrĂ€sident Barack Obama.cite-ref-57[57]cite-ref-58[58]cite-ref-59[59]

Im April 2011 veröffentlichten die beiden renommierten Juristen Bruce Ackerman (Yale Law School) und Yochai Benkler (Harvard Law School) im The New York Review of Books einen weiteren offenen Brief an Barack Obama.cite-ref-60[60] In dem Schreiben bezeichneten sie Mannings Haftbedingungen als erniedrigend, unmenschlich, illegal und unmoralisch. Sie wiesen insbesondere auf das im 8. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten festgeschriebene Verbot einer grausamen und ungewöhnlichen Bestrafung und die im FĂŒnften Verfassungszusatz fixierte Garantie gegen eine Bestrafung ohne vorausgegangenes Verfahren hin. Über 250 fĂŒhrende US-amerikanische Juristen und der deutsche Rechtswissenschaftler Ulrich K. Preuß unterzeichneten.cite-ref-61[61]cite-ref-62[62]

Der Ausschuss fĂŒr Menschenrechte und humanitĂ€re Hilfe des deutschen Bundestages wandte sich im selben Monat mit einem Brief an Barack Obama und bat darum, die Haftbedingungen Mannings zu ĂŒberprĂŒfen und eine „humane Unterbringung“ sicherzustellen.cite-ref-63[63]

Vor dem GefĂ€ngnis in Quantico, in Montreal und international kam es zu SolidaritĂ€tskundgebungen mit Manning. Im Internet wurde von ihrer Familie und Freunden eine Website fĂŒr UnterstĂŒtzer gegrĂŒndet. Spenden von Wikileaks zugunsten ihrer Verteidigung beliefen sich im Januar 2011 auf 15.000 Dollar, die Gesamtsumme betrug zu diesem Zeitpunkt ĂŒber 100.000 Dollar. Friedensaktivisten, Michael Moore und der ehemalige CIA-Offizier Ray McGovern erklĂ€rten sich solidarisch mit Manning.cite-ref-64[64]cite-ref-65[65]cite-ref-66[66]cite-ref-67[67]cite-ref-68[68]

Die Online-Kampagnenplattform Avaaz prangerte in einer E-Mail-Kampagne ihre Haftbedingungen an; ĂŒber 500.000 Menschen unterzeichneten bis Mitte April 2011 eine Petition.cite-ref-69[69]

In der amerikanischen Politik sorgte der Fall fĂŒr Kontroversen:

‱ Mike Huckabee, Mike D. Rogers und andere amerikanische Politiker forderten die Todesstrafe fĂŒr Manning.cite-ref-70[70]cite-ref-71[71]

‱ Der demokratische Abgeordnete Dennis Kucinich kritisierte Mannings Haftbedingungen als „eine Art Folter“. Sie seien „ein kalkulierter Versuch, den Gefangenen zu bestrafen und geistig zu brechen“. Im gleichen Sinne Ă€ußerte sich Philip Crowley, Sprecher der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton. Nachdem er die Behandlung Mannings als „lĂ€cherlich, kontraproduktiv und dumm“ bezeichnet hatte und dies öffentlich geworden war, erklĂ€rte er seinen RĂŒcktritt.cite-ref-72[72]cite-ref-73[73]

obama

‱ WĂ€hrend einer Spendengala im April 2011 Ă€ußerte sich Barack Obama, mit unerwarteten Protesten konfrontiert, dergestalt ĂŒber Manning („He broke the law“), dass ihm Mannings UnterstĂŒtzer eine Vorverurteilung unterstellten.cite-ref-74[74]cite-ref-75[75]

Im November 2011 unterzeichneten mehr als 60 Mitglieder des EuropĂ€ischen Parlaments einen offenen Brief an die amerikanische Regierung, den Senat und das ReprĂ€sentantenhaus, in dem sie ihrer Besorgnis ĂŒber Menschenrechtsverletzungen gegenĂŒber Manning und die Möglichkeit der VerhĂ€ngung der Todesstrafe Ausdruck verliehen. Sie appellierten, Juan E. MĂ©ndez nun eine Möglichkeit zu geben, Manning unter vertraulichen Bedingungen besuchen zu können und damit die Arbeit der Vereinten Nationen auf dem Gebiet der Menschenrechte nicht mehr zu untergraben.cite-ref-76[76]

StaatsbĂŒrgerschaft

Neben der US-amerikanischen besitzt Manning auch die britische StaatsbĂŒrgerschaft, da ihre Mutter aus Wales stammt, wĂ€hrend ihr Vater US-amerikanischer Angehöriger der United States Navy war.cite-ref-77[77]cite-ref-78[78]cite-ref-79[79] Von Amnesty International wurde eine Positionierung der britischen Regierung zu ihren Haftbedingungen erwartet. Mit den Anfang MĂ€rz 2011 bekannt gewordenen neuen Anklagepunkten war die Gefahr der VerhĂ€ngung der Todesstrafe gegen Manning nĂ€hergerĂŒckt, die in der EuropĂ€ischen Union abgeschafft ist und abgelehnt wird.cite-ref-80[80]

Die EU tritt fĂŒr „die dauerhafte Abschaffung der Todesstrafe unter allen UmstĂ€nden“ ein.cite-ref-81[81] Anfang April 2011 befasste sich das britische Unterhaus mit dem Fall und setzte ein offizielles Schreiben auf, das die britische Regierung zum stĂ€rkeren Engagement fĂŒr Manning und die USA zu BemĂŒhungen um humane Haftbedingungen auffordert. Der parlamentarische StaatssekretĂ€r im Außenministerium, Henry Bellingham, sagte zu, die britische Botschaft in Washington werde Mannings Haftsituation gegenĂŒber dem US-Außenministerium zur Sprache bringen, und bestĂ€tigte die doppelte StaatsbĂŒrgerschaft Mannings.cite-ref-82[82]cite-ref-83[83]

Strafverfahren

Vorverfahren

Manning wurde zunĂ€chst nach den Artikeln 92 (Befehls- oder Regelverweigerung) und 134 (Generalklausel) des Uniform Code of Military Justice (UCMJ, dt.: „Einheitliches Gesetz der MilitĂ€rgerichtsbarkeit“) angeklagt wegen Geheimnisverrats und unerlaubten Übertragens geheimer Informationen. Der konkrete Tatvorwurf lautete, geheime Daten auf ihren Rechner ĂŒbertragen und eine nicht zugelassene Software einem geschĂŒtzten Computersystem hinzugefĂŒgt zu haben sowie Informationen zur nationalen Verteidigung an eine nicht befugte Quelle vermittelt, ĂŒbertragen und geliefert zu haben.cite-ref-cryptomemanning-84-0[84] DafĂŒr drohten ihr bis zu 52 Jahre GefĂ€ngnis. Ein Pflichtanwalt ĂŒbernahm ihre Verteidigung. Manning verweigerte die Aussage und kooperierte nicht mit der Anklage.cite-ref-r-b-10-1[10]cite-ref-85[85]

Einem Bericht der britischen Tageszeitung The Independent zufolge erwog Eric Holder, der Generalbundesanwalt der Vereinigten Staaten, im Dezember 2010, Manning eine Form des Plea Bargaining anzubieten. Sollte Manning zugeben, von Julian Assange zu der ihr vorgeworfenen Tat angestiftet worden zu sein, könnten ihr im Gegenzug Hafterleichterungen oder ein geringeres Strafmaß zugesagt werden. Den amerikanischen Behörden wĂ€re damit die juristische Verfolgung von Assange erleichtert worden;cite-ref-86[86]cite-ref-87[87] es war ihnen jedoch nicht möglich, eine direkte Verbindung zwischen Manning und Assange nachzuweisen.cite-ref-88[88] Assange seinerseits Ă€ußerte dazu, den Namen Mannings nicht gekannt zu haben, bevor dieser in den Medien auftauchte.

Anfang MĂ€rz 2011 wurde Manning in weiteren 22 Punkten angeklagt. Unter anderem wurde ihr vorgeworfen, auf Rechnern des US-MilitĂ€rs Software zum Data-Mining installiert zu haben, um sich die Beschaffung von Informationen zu erleichtern.cite-ref-89[89] Am schwersten wog der Vorwurf der „Kollaboration mit dem Feind“, da Manning hier die Todesstrafe drohte. Manning habe die Dokumente in dem Wissen an die Öffentlichkeit gebracht, dass Feinde der Vereinigten Staaten darauf Zugriff erhalten wĂŒrden. Sie habe durch die Nennung der Namen von US-Informanten deren Leben gefĂ€hrdet. Die Anklage sprach sich zwar nur fĂŒr eine lebenslange Haftstrafe aus, eine Empfehlung, der ein Gericht in einem spĂ€teren Prozess jedoch nicht nachkommen muss.cite-ref-90[90]cite-ref-91[91]cite-ref-92[92]

Disziplinarstrafen gegen MilitÀrangehörige

Im Vorfeld eines Verfahrens gegen Manning verhĂ€ngte die US-Armee nach einer internen Untersuchung Disziplinarstrafen gegen fĂŒnfzehn Soldaten. Durch ihr Verhalten sei Manning in eine Position gebracht worden, in der sie MilitĂ€rberichte und diplomatische Depeschen herunterladen und weitergeben konnte. Mindestens ein Unteroffizier wurde degradiert.cite-ref-93[93]

Versuch Assanges, Akteneinsicht zu erlangen

Julian Assange versuchte mit der BegrĂŒndung, er sei von dem Verfahren mitbetroffen, noch vor dem Article 32 Hearing mit Hilfe des Center for Constitutional Rights ĂŒber seine AnwĂ€lte Zugriff auf die Prozessakten zu erlangen. Er scheiterte jedoch am 11. Januar 2012, als das höchste Berufungsgericht der amerikanischen StreitkrĂ€fte seinen Antrag ebenso wie die Vorinstanzen ablehnte.cite-ref-94[94]cite-ref-95[95]

Article 32 Hearing

Am 16. Dezember 2011 begann unter scharfen, von manchen als „bizarr“ bezeichneten Sicherheitsvorkehrungen eine einwöchige, zunĂ€chst auf fĂŒnf Tage angesetzte Anhörung vor einem MilitĂ€rgericht in Fort Meade. Sie sollte als Article 32 Hearing nach § 832. Art. 32cite-ref-96[96] des Uniform Code of Military Justice klĂ€ren, ob die vorliegenden Beweise gegen Manning fĂŒr ein Strafverfahren ausreichen.

Ihr Verteidiger David Coombs forderte im Vorfeld, entlastende Dokumente der US-amerikanischen Regierung in die Anhörung einzufĂŒhren,cite-ref-97[97] und plante den Aufruf von 48 zunĂ€chst namentlich nicht genannten Zeugen, was den terminlichen Rahmen gesprengt hĂ€tte. FĂŒr den Fall, es wĂŒrden zu wenige von ihnen zugelassen, kĂŒndigte er die Veröffentlichung ihrer Namen an.cite-ref-98[98] Wie weitere 36 Personen wurden weder Barack Obama noch Hillary Clinton Coombs’ Forderung gemĂ€ĂŸ als Zeugen zugelassen.cite-ref-99[99] Coombs wollte eine als Vorverurteilung aufzufassende Äußerung Obamas hinterfragen. Hillary Clinton hatte geĂ€ußert, die Veröffentlichung der Botschaftsdepeschen habe keine „signifikanten“ Auswirkungen auf die amerikanische Außenpolitik gehabt.cite-ref-100[100]

Am ersten Verhandlungstag wurden im Wesentlichen die Anklagepunkte verlesen. Ein Antrag der Verteidigung, den zustĂ€ndigen MilitĂ€rrichter, Reserve-Oberstleutnant Paul Almanza, fĂŒr befangen erklĂ€ren zu lassen, scheiterte. Almanza arbeite, so Coombs, im Zivilleben fĂŒr das Justizministerium, das sich mit der Verfolgung von Julian Assange befasse, und befinde sich daher in einem Interessenkonflikt.cite-ref-101[101]cite-ref-102[102]cite-ref-sponbefangenheit-103-0[103] Vor der MilitĂ€rbasis demonstrierten etwa 50 Personen, am folgenden Tag, Mannings Geburtstag, bis zu 200 und forderten einen Freispruch Mannings.cite-ref-sponbefangenheit-103-1[103]cite-ref-derfreiste-104-0[104]

Am zweiten Verhandlungstag wurde mit der, teilweise telefonischen, Befragung der Zeugen begonnen. Die Verteidigung thematisierte den seelischen Zustand Mannings zum Zeitpunkt ihres Einsatzes im Irak, was als Versuch interpretiert wurde, eine absehbare Bestrafung zu mindern und die US-Armee dafĂŒr zu kritisieren, dass sie Manning Zugriff zu geheimgehaltenen Dokumenten gestattet hatte.cite-ref-derfreiste-104-1[104]cite-ref-105[105] Die Aussage eines Angehörigen des U.S. Army Criminal Investigation Command erhĂ€rtete die Beweiskraft der von Adrian Lamo erstellten Chatmitschnitte; „korrespondierende Versionen“ dazu hĂ€tten sich auf Mannings Laptop gefunden.cite-ref-106[106]cite-ref-107[107]

Am dritten Verhandlungstag verweigerten zwei der ehemaligen Vorgesetzten Mannings die Aussage, um sich nicht selbst zu belasten. Aussagen zur Sicherheitslage im irakischen Fort Hammer brachten LĂŒcken in der Kontrolle der EDV-AktivitĂ€ten ihrer Angehörigen zu Tage. Ein IT-Forensiker sagte aus, auf einem von Mannings Computern hĂ€tten sich Datenspuren und Dokumente gefunden, die sie in direkte Verbindung zur Veröffentlichung amerikanischer Botschaftsdepeschen brĂ€chten. Auch zwei Kopien des spĂ€ter unter dem Titel Collateral Murder veröffentlichten Videos und Dateien zu Insassen der Gefangenenlager Guantanamo seien gefunden worden. Im April 2011 hatte WikiLeaks derartige Dokumente veröffentlicht. Manning habe das Programm Wget verwendet, um die Dateien herunterzuladen.cite-ref-108[108]cite-ref-109[109]

Am nĂ€chsten Tag der Anhörung wurden, teilweise nicht öffentlich und im Kreuzverhör, die Zeugenbefragungen zu von Manning hinterlassenen Datenspuren fortgesetzt und technische Details besprochen.cite-ref-gullitag4-110-0[110]cite-ref-guardiantag4-111-0[111] Unter anderem fanden sich auf einem von Manning benutzten Computer in einer beschĂ€digten Datei 10.000 weitere amerikanische Botschaftsdepeschen.cite-ref-112[112] Auf ihrem persönlichen Laptop waren Chatprotokolle gespeichert, die eine Verbindung zu Julian Assange als wahrscheinlich erscheinen ließen, und auf einer im Haus ihrer Tante gefundenen SD-Karte befand sich eine Datei, die als Botschaft an WikiLeaks gewertet wurde und Kritik an der asymmetrischen KriegfĂŒhrung des 21. Jahrhunderts enthielt.cite-ref-113[113]

Am 20. Dezember, dem fĂŒnften Tag der Anhörung, wurden eine ehemalige Vorgesetzte Mannings, Jirhleah Showman, sowie Adrian Lamo vernommen. Showman berichtete von aggressivem Verhalten Mannings bereits vor ihrer Versetzung in den Irak und ihren Zweifeln an ihrer psychischen StabilitĂ€t. Sie habe ihre Meinung, Manning sei eine Gefahr fĂŒr sich selbst und andere, einem anderen Offizier berichtet, ohne dass dies jedoch Konsequenzen gehabt habe. Sie selbst sei von Manning im Irak tĂ€tlich angegriffen worden. Adrian Lamo betonte seine UnabhĂ€ngigkeit von den Ermittlungsbehörden und bestĂ€tigte indirekt die Echtheit der Chatmitschnitte. Seine Erkrankung, das Asperger-Syndrom, habe ihn wĂ€hrend der Zeit dieser Chats nicht behindert. Die ihm von Manning mitgeteilten Handlungen seien so empörend gewesen, dass er sich an die Ermittlungsbehörden gewandt habe. Chelsea Manning selbst verzichtete auf eine Aussage.cite-ref-114[114]cite-ref-115[115] Am folgenden Tag wurden die zwei letzten Zeugen vernommen und die Verhandlung nach nur einer Stunde Dauer vertagt.cite-ref-116[116]

Am 22. Dezember wurde das Hearing mit den SchlussplĂ€doyers beendet. WĂ€hrend Coombs das Vorgehen gegen Manning als â€žĂŒberzogen“ bezeichnete und erneut auf den frĂŒheren psychischen Zustand Mannings hinwies, der man keinen Zugang zu geheimen Dokumenten hĂ€tte geben sollen, betonte die Anklage die Last der Beweise gegen Manning und behauptete, diese habe Al-Qaida in die HĂ€nde gespielt.cite-ref-117[117]cite-ref-118[118]

Am 3. Februar 2012 entschied der Kommandeur des MilitÀrbezirks Washington, Generalmajor Michael Linnington, dem dies von Paul Almanza, dem Vorsitzenden des Hearings, empfohlen worden war,cite-ref-119[119] dass Manning vor ein Kriegsgericht gestellt wurde.cite-ref-120[120]

Anklageerhebung

Am 23. Februar 2012 wurden Chelsea Manning auf dem MilitĂ€rstĂŒtzpunkt Fort Meade die 22 Anklagepunkte einschließlich desjenigen der „Kollaboration mit dem Feind“ verlesen. Obwohl hier die Todesstrafe in Frage kommt, verzichtete die Anklage darauf, diese zu fordern. Manning drohte damit eine lebenslange Haftstrafe.cite-ref-121[121] Manning Ă€ußerte sich nicht zu der Frage ihrer Schuld. Eine Einigung ĂŒber den Prozessbeginn konnte hier nicht erzielt werden.cite-ref-122[122]

Motion Hearings

Die erste von mehreren Anhörungen (Motion Hearing), bei der AntrĂ€ge von Anklage und Verteidigung verhandelt wurden, fand am 15. und 16. MĂ€rz 2012 statt. Sie hatte AntrĂ€ge der Verteidigung, die die Jury, die Vernehmung von Entlastungszeugen und den Umgang mit Geheimmaterial betrafen, zum Inhalt.cite-ref-123[123]cite-ref-124[124]cite-ref-125[125] In der zweiten Anhörung dieser Art von 24. bis zum 26. April wurden AntrĂ€ge der Verteidigung auf Einstellung des Verfahrens und auf Streichung des wesentlichen Anklagepunktes der „Kollaboration mit dem Feind“ abgelehnt. Als vorlĂ€ufigen Termin fĂŒr den Prozessbeginn legte das Gericht zunĂ€chst den 21. September fest.cite-ref-126[126]cite-ref-127[127] In einer weiteren Anhörung im Juni 2012 wurde erneut der Antrag der Verteidigung Mannings abgelehnt, zehn der 22 Anklagepunkte gegen die Soldatin fallenzulassen und das Verfahren einzustellen.cite-ref-128[128] Bei einer dreitĂ€gigen Anhörung Ende August wurde der Prozessbeginn auf den 4. Februar 2013 festgelegt, im Dezember weiter auf MĂ€rz 2013 verschoben.cite-ref-129[129]cite-ref-130[130] Im Februar 2013 war die Rede von Anfang Juni bis Anfang August.cite-ref-131[131]

Mannings Verteidiger erreichten im Oktober 2012 das Recht zur Einsichtnahme in etwa 1300 E-Mails von fĂŒr Manning in Quantico zustĂ€ndigen Vollzugsbeamten. Sie wollten mit dem Material belegen, dass ihre Mandantin dort misshandelt wurde.cite-ref-132[132]

Am 8. November 2012 bot Chelsea Manning an, gegen einen Strafnachlass die ihr zum Vorwurf gemachten Taten teilweise zu gestehen. Dies betraf die Weitergabe geheimer Informationen, nicht jedoch den Vorwurf der „Kollaboration mit dem Feind“.cite-ref-133[133] Sie bekannte sich damit in acht Punkten fĂŒr schuldig. Der MilitĂ€rrichterin Denise Lind zufolge könnte dies, wenn es vom Gericht angenommen werde, eine Absenkung des Strafmaßes auf eine Freiheitsstrafe von sechzehn Jahren bedeuten. Ende November ergriff Manning erstmals selbst das Wort. Sie beantwortete Fragen zu ihrer Untersuchungshaft in Quantico und schilderte harte Haftbedingungen, die sie in Todesangst versetzt hĂ€tten. Ein Zusammenbruch am 18. Januar 2011 sei die Folge gewesen. Sie beantragte, das Verfahren gegen sie einzustellen, da die Untersuchungshaft eine unrechtmĂ€ĂŸige Bestrafung vor dem Prozessbeginn dargestellt hĂ€tte. Zwei MilitĂ€rpsychiater erklĂ€rten, die Haftbedingungen seien nicht gerechtfertigt gewesen, diesbezĂŒgliche Ă€rztliche Empfehlungen jedoch ignoriert worden.cite-ref-134[134]cite-ref-135[135]cite-ref-136[136]

Schuldbekenntnis

Ende Februar 2013 bekannte sich Manning in 10 von 22 Anklagepunkten fĂŒr schuldig und gestand unter anderem die Übergabe von Material an WikiLeaks.cite-ref-manning-admits-18-2[18]

In der 35 Seiten langen Rede dazu wies sie klar von sich, eine Staatsfeindin zu sein, sie habe die Dokumente an Wikileaks gegeben, weil die US-Medien nicht reagierten.

„Ich halte diese Dokumente nach wie vor fĂŒr einige der wichtigsten Dokumente unserer Zeit. Ich glaubte, die Depeschen wĂŒrden uns nicht schaden, aber sie wĂŒrden peinlich sein. Ich glaubte, dass die Öffentlichkeit, insbesondere die amerikanische Öffentlichkeit, eine allgemeine Debatte ĂŒber das MilitĂ€r und unsere Außenpolitik im Irak und in Afghanistan fĂŒhren wird, wenn sie denn einmal diese Dokumente lesen könnte. Es wĂ€re damit eine Chance fĂŒr unsere Gesellschaft gegeben, sich Rechenschaft ĂŒber diese Form des Gegen-Terrorismus abzulegen, in dem wir die menschliche Seite der Bewohner in diesen LĂ€ndern Tag fĂŒr Tag missachten.“cite-ref-heise-137-0[137]

Prozess und Urteil

Der Prozess gegen Manning begann am 3. Juni 2013 vor einem MilitĂ€rgericht in Fort George G. Meade.cite-ref-138[138] Am 30. Juli 2013 wurde Manning in 19 von 21 Anklagepunkten, neben militĂ€rischen RegelverstĂ¶ĂŸen auch wegen „Diebstahls“ und fĂŒnf FĂ€llen von „Spionage“,cite-ref-spon1-139-0[139] schuldig gesprochen. Ihr drohten maximal 90 Jahre Haft. Vom Anklagepunkt „UnterstĂŒtzung des Feindes“ sprach sie das Gericht frei.cite-ref-guard1-140-0[140]

WĂ€hrend der Findungsphase distanzierte sich Manning am 14. August mit einer Entschuldigung von ihrem vorherigen Standpunkt:

“I’m sorry that my actions hurt people and I’m sorry that it hurt the United States. I understood what I was doing and the decision that I made. I’m sorry for the unintended consequences of my actions 
 When I made these decisions I believed I was going to help people, not hurt people.”

„Es tut mir leid, dass meine Handlungen Menschen geschĂ€digt haben, und es tut mir leid, dass sie die USA schĂ€digten. Ich verstand, was ich tat, und die Entscheidungen, die ich traf. Ich bitte um Verzeihung fĂŒr die unbeabsichtigten Konsequenzen 
 Als ich diese Entscheidungen traf, handelte ich in dem Glauben, Menschen zu helfen, nicht ihnen Schaden zuzufĂŒgen.“

“How on Earth could I, a junior analyst, possibly believe I could change the world for the better over those with the proper authority? I know that I can and will be a better person. I hope that you can give me the opportunity to prove, not through words but through conduct, that I can return to a productive place in society.”

„Wie konnte ich, ein Junior-Analyst, nur irgendwie glauben, die Welt zum Besseren zu Ă€ndern – ĂŒber die ordentlichen AutoritĂ€ten hinweg? Ich weiß, dass ich eine bessere Person sein kann und werde. Ich hoffe auf eine Gelegenheit, mich zu beweisen, nicht nur durch Worte, sondern durch Taten.“

Sie drĂŒckte ihre Hoffnung aus, die Chance auf einen produktiven Platz in der Gesellschaft zu erhalten.cite-ref-heisex-141-0[141]

Am 19. August forderte die Anklage 60 Jahre Haft fĂŒr Manning. Die Verteidigung plĂ€dierte auf höchstens 25 Jahre.cite-ref-142[142] Am 21. August 2013 wurde das Strafmaß auf 35 Jahre festgesetzt, zudem muss sie 100.000 US-$ Strafe zahlen.cite-ref-143[143] Nach frĂŒhestens zehn Jahren Haftzeit hĂ€tte eine vorzeitige Entlassung auf BewĂ€hrung erfolgen können. Die 1294 Tage Untersuchungshaft wurden sowohl auf die Gesamtstrafe als auch auf die Mindeststrafe angerechnet, sodass eine Entlassung frĂŒhestens Anfang 2020 hĂ€tte erfolgen können.cite-ref-144[144]

Da der Prozess im Fort Meade gefĂŒhrt wurde, welches dem MilitĂ€rdistrikt Washington zugeordnet ist, musste gemĂ€ĂŸ Uniform Code of Military Justice der kommandierende General des MilitĂ€rdistrikts Washington, Generalmajor Jeffrey Buchanan, das Urteil prĂŒfen und bestĂ€tigen. Die BestĂ€tigung erfolgte, hierdurch erlangte es formale GĂŒltigkeit.

Manning wurde außerdem vom Private First Class zum Private E1 degradiert, aus der Armee unehrenhaft entlassen und verlor ihre PensionsansprĂŒche.cite-ref-145[145]

Berufung

Schon vor Bekanntgabe des Strafmaßes hatte Manning ein Gnadengesuch an Buchanan schicken lassen. Nachdem dieses Mitte April 2014 abgelehnt worden war,cite-ref-146[146] blieben noch zwei nachgelagerte Instanzen, der Army Court of Criminal Appeals und zuletzt der United States Court of Appeals for the Armed Forces.cite-ref-probm-147-0[147] Im Mai 2016 legte Manning gegen die Verurteilung Berufung ein.cite-ref-148[148] Im Berufungsschreiben ihrer AnwĂ€lte wurde die Verurteilung als „in hohem Maße ungerecht“ bezeichnet, zumal in der Geschichte der Vereinigten Staaten kein Whistleblower eine Ă€hnlich harte Strafe erfahren hĂ€tte. Kurz vor Ende der Amtszeit Barack Obamas forderte die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG), dass dieser seinen „Feldzug gegen Whistleblower“ (so ROG) beendet und ihr die Haft erlĂ€sst.cite-ref-149[149]

Reaktionen

Manning

Verteidiger Coombs gab nach der UrteilsverkĂŒndung dem Daily Beast ein Interview, in dem er Mannings Reaktion ausfĂŒhrlich beschreibt. Manning sei es gewesen, die versucht habe, Anteilnehmende aufzumuntern, sie betrachte auch die Verurteilung nur als Phase in ihrem Leben:

“I am moving forward. I will recover from this.”

„Ich komme voran. Ich werde mich davon erholen.“cite-ref-inter-150-0[150]

BĂŒrgerrechtsbewegungen

Die ACLU kommentierte:

“
 A legal system that doesn’t distinguish between leaks to the press in the public interest and treason against the nation will not only produce unjust results, but will deprive the public of critical information that is necessary for democratic accountability. This is a sad day for Bradley Manning, but it’s also a sad day for all Americans who depend on brave whistleblowers and a free press for a fully informed public debate.”

„Ein Justizsystem, das nicht zwischen Leaks an die Presse im öffentlichen Interesse und Verrat gegenĂŒber dem Staat unterscheidet, wird nicht nur unrechte Urteile fĂ€llen, es wird der Öffentlichkeit kritische Informationen, notwendig fĂŒr demokratische Verantwortung, vorenthalten. Dies ist ein trauriger Tag fĂŒr Bradley Manning, aber es ist auch ein trauriger Tag fĂŒr alle Amerikaner, die auf mutige Whistleblower und eine freie Presse fĂŒr aufgeklĂ€rte öffentliche Debatten angewiesen sind.“cite-ref-aclu-151-0[151]

Amnesty International erinnerte daran, dass Manning nicht nur schon drei Jahre in Untersuchungshaft verbracht habe, sondern auch elf Monate davon unter von UN-Sonderberichterstatter Juan E. Méndez als Folter erklÀrten ZustÀnden.cite-ref-ai-152-0[152] Amnesty International forderte im Dezember 2013 in einer Petition die Begnadigung und sofortige Entlassung von Manning.cite-ref-153[153]

Auf der Website Wikileaks schrieb Julian Assange unter anderem:

“Mr Manning’s treatment has been intended to send a signal to people of conscience in the US government who might seek to bring wrongdoing to light. This strategy has spectacularly backfired, as recent months have proven. Instead, the Obama administration is demonstrating that there is no place in its system for people of conscience and principle.”

„Herrn Mannings Behandlung sollte ein Signal an gewissenhafte Menschen senden, die versuchen könnten, falsches Handeln ans Licht zu bringen. Diese Strategie ist spektakulĂ€r gescheitert, wie die letzten Monate gezeigt haben. Stattdessen zeigt die Regierung Obama, dass es in ihrem System keinen Platz fĂŒr Leute mit Gewissen und Prinzipien gibt.“cite-ref-wl-154-0[154]

Spiegel-Redakteur Veit Medick schrieb unter anderem:

„mit ihrer Entscheidung, MilitĂ€rgeheimnisse zu veröffentlichen, hat Manning ihrem Land einen Dienst erwiesen. Sie hat den Wahnsinn des Kriegsalltags ins Bewusstsein der Amerikaner zurĂŒckgeholt und die kleinen und großen Verbrechen der US-Außenpolitik offenbart. Das [
] Video aus einem Kampfhubschrauber, der in Bagdad Zivilisten und zwei Reuters-Reporter beschießt, ist bis heute ein Sinnbild fĂŒr die Maßlosigkeit im Irak. Manning hat ihr Land mit seinen eigenen Fehlern konfrontiert. [
] Manning wurde mit ĂŒbergroßer juristischer HĂ€rte verfolgt, weil Obamas Regierung diesen Kurs vorgab.“cite-ref-155[155]

HaftzeitverkĂŒrzung

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit begnadigte US-PrĂ€sident Barack Obama Chelsea Manning am 17. Januar 2017. Er verkĂŒrzte damit die Haftdauer von 35 Jahren auf knapp 7 Jahre.cite-ref-156[156] Am 17. Mai 2017 wurde sie aus der Haft entlassen, also sechs Jahre, elf Monate und drei Wochen nach ihrer Verhaftung im Mai 2010.cite-ref-157[157]

Haftentlassung

Seit der Haftentlassung lebt Manning in Manhattan. Sie bleibt zunĂ€chst im Dienst der StreitkrĂ€fte der Vereinigten Staaten, bis ĂŒber die Berufung ihrer AnwĂ€lte gegen das Urteil des MilitĂ€rgerichts entschieden ist. Solange erhĂ€lt sie einen Sonderstatus ohne TĂ€tigkeit, ohne Sold, aber mit Anspruch auf medizinische Versorgung, „moralische FĂŒrsorge“ und Erholung durch das MilitĂ€r. Sollte das Urteil bestĂ€tigt werden, droht ihr die unehrenhafte Entlassung und der Verlust ihrer VersorgungsansprĂŒche.cite-ref-158[158]cite-ref-159[159] Die Freilassung Mannings wurde gleichermaßen von vielen an sie gerichteten GlĂŒckwĂŒnschen wie Hasskommentaren bis hin zu zahlreichen Morddrohungen kommentiert. Ihre Wohnung verlĂ€sst sie deshalb nur in Begleitung von PersonenschĂŒtzern.cite-ref-digit-tagesspiegel-160-0[160]

Im August 2017 veröffentlichte das Frauen- und Modemagazin Vogue online ein ausfĂŒhrliches Interview mit Manning ĂŒber ihr Leben in der Kindheit und seit ihrer Haftentlassung. Fotos von Manning, aufgenommen von der Starfotografin Annie Leibovitz, erschienen in der Septemberausgabe 2017 der Vogue.cite-ref-vogue-161-0[161]

Der Dekan der Harvard Kennedy School zog im September 2017 das Angebot einer Gastprofessur an Manning zurĂŒck. Zuvor hatten CIA-Direktor Mike Pompeo und der ehemalige CIA-Vizedirektor Michael Morell Auftritte an der UniversitĂ€t abgesagt. Beide begrĂŒndeten dies mit dem Angebot an Manning. Pompeo nannte sie eine „amerikanische VerrĂ€terin“. Morell sagte, er lege seine Gastprofessur in Harvard nieder; sein Gewissen verpflichte ihn, sich gegen jeden Versuch zu wenden, „Leaks“ von Geheimnissen zu rechtfertigen, die die nationale Sicherheit betrĂ€fen. Auch andere Personen aus Geheimdiensten und MilitĂ€r beschwerten sich ĂŒber das Angebot an Manning.cite-ref-162[162]

Am 13. Januar 2018 gab Manning bekannt, 2018 im Bundesstaat Maryland als Kandidatin der Demokratischen Partei fĂŒr den Senat der Vereinigten Staaten zu kandidieren.cite-ref-163[163] Sie unterlag dem Amtsinhaber Ben Cardin in der Vorwahl.cite-ref-164[164]

Beugehaft

Am 8. MÀrz 2019 ordnete ein Richter Mannings Beugehaft an, nachdem sie sich geweigert hatte, vor einer Grand Jury zu WikiLeaks auszusagen.cite-ref-165[165] Sie befand sich zunÀchst 28 Tage in Isolationshaft und danach im Truesdale Detention Center in Virginia. Nach insgesamt 62 Tagen Haft wurde sie entlassen.cite-ref-166[166]

Am 16. Mai 2019, nach einer Woche in Freiheit, wurde sie wegen „Missachtung des Gerichts“ von Richter Anthony Trenga am United States District Court for the Eastern District of Virginia erneut aus dem gleichen Grund inhaftiert. Eine Geldstrafe von zunĂ€chst 500, nach 60 Tagen 1000 Dollar pro Tag sollte ihre Aussage zusĂ€tzlich erzwingen.cite-ref-167[167] Manning erklĂ€rte, sie wĂŒrde eher verhungern, als ihre Überzeugung in diesem Punkt zu Ă€ndern.cite-ref-168[168] Sie wird von der RechtsanwĂ€ltin Moira Meltzer-Cohen vertreten. Im MĂ€rz 2020 unternahm sie einen Suizidversuch.cite-ref-spon-57a7b9775799-169-0[169] Kurz darauf wurde sie auf Anordnung eines Gerichts aus der Beugehaft entlassen.cite-ref-sz-4843333-170-0[170]

Vorwurf der Folter an die US-Regierung

Der hochrangige Vertreter der Vereinten Nationen, Nils Melzer, beschuldigte die US-Regierung der Folter von Manning. In einem Brief an die US-Regierung schrieb er, dass die Inhaftierung von Frau Manning „alle Elemente von Folter oder anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Bestrafung erfĂŒllt“. Das Schreiben wurde im November verschickt, aber erst Ende Dezember 2019 öffentlich zugĂ€nglich gemacht. Im Schreiben kritisiert er auch die UnrechtmĂ€ĂŸigkeit der Beugehaft.cite-ref-171[171]

TransidentitÀt

Am 22. August 2013 Ă€ußerte Manning in einer ErklĂ€rung namens The Next Stage of My Life, sich seit der Kindheit als Frau zu fĂŒhlen sowie kĂŒnftig Chelsea E. Manning zu heißen und mit weiblichen Pronomen bezeichnet werden zu wollen. Manning gab außerdem bekannt, so bald wie möglich eine Hormonersatztherapie beginnen zu wollen.cite-ref-172[172] Die eigene Haftzeit musste Manning allerdings in MĂ€nneruniform gekleidet in einem GefĂ€ngnis fĂŒr MĂ€nner verbringen; eine Hormonersatztherapie war dort nicht vorgesehen.cite-ref-173[173] Am 27. Januar 2014 beantragte Manning bei Gericht die Änderung ihres rechtlichen Namens.cite-ref-174[174] Nach einer fĂŒr den 23. April 2014 angesetzten Anhörung wurde die NamensĂ€nderung rechtskrĂ€ftig.cite-ref-court-1-1[1]cite-ref-namens-nderung-rechtskr-ftig-175-0[175] Der gerichtliche Beschluss umfasste weiterhin die Anordnung, dass die bisherige Geburtsurkunde Mannings entsprechend ihrem neuen Namen rĂŒckwirkend geĂ€ndert oder ersetzt werden musste.cite-ref-court-1-2[1] Eine Behandlung mit weiblichen Hormonen wurde im Februar 2015 genehmigt.cite-ref-176[176]

Mannings AnwĂ€lte hatten im Laufe des Prozesses mehrfach die Transgeschlechtlichkeit thematisiert. So gaben sie unter anderem an, Manning habe „ein weibliches Alter Ego namens Breanna Manning erstellt.“cite-ref-177[177] Manning hatte unter dem Namen Breanna unter anderem ein Twitter-Konto angelegt.cite-ref-178[178] Im Chat mit Adrian Lamo sprach Manning ĂŒber Unsicherheiten bezĂŒglich der eigenen GeschlechtsidentitĂ€t und gab an, sich nicht mit der Vorstellung abfinden zu können, dass Fotos der eigenen Person mit mĂ€nnlichem Aussehen („as a boy“) in der gesamten Weltpresse dominieren wĂŒrden.cite-ref-179[179]

Gelegentlich, aber nicht durchgĂ€ngig, wurde der Name Breanna auch im Kreis von Mannings UnterstĂŒtzern benutzt.cite-ref-180[180] Die Mehrheit der Mitglieder des UnterstĂŒtzernetzwerks bezeichnete Manning zunĂ€chst weiterhin als Bradley und benutzte mĂ€nnliche Pronomen, ebenso wie die ĂŒberwiegende Mehrheit der Presse und die offiziellen SchriftstĂŒcke vor Gericht. Am 22. August 2013 gab das Bradley Manning Support Network via Twitter bekannt, seine Materialien und Auftritte in den sozialen Medien anzupassen, um den WĂŒnschen Mannings, zukĂŒnftig Chelsea genannt zu werden, zu entsprechen.cite-ref-181[181] Manning selber dankte in einer ErklĂ€rung gegenĂŒber dem Guardian allen, „die es nunmehr vermeiden, mir das falsche Geschlecht zuzuschreiben, und dazu ĂŒbergegangen sind, meinen neuen Namen und weibliche Pronomen zu verwenden“.cite-ref-182[182]

Manning erwirkte im September 2016 mit einem fĂŒnftĂ€gigen Hungerstreik die Bewilligung einer geschlechtsangleichenden Operation beim sie inhaftierenden amerikanischen MilitĂ€r.cite-ref-183[183]

Auszeichnungen

Manning gehörte 2011, 2012 und 2013 zu den fĂŒr den Friedensnobelpreis nominierten Personen.cite-ref-184[184]cite-ref-185[185]cite-ref-186[186]

‱ Der in Deutschland vergebene internationale Whistleblower-Preis ging 2011 unter anderem an die zur Zeit der Preisvergabe noch anonyme Person, die das Collateral-Murder-Video der Öffentlichkeit zugĂ€nglich machte. Die PreisĂŒbergabe an den Whistleblower sollte erfolgen, sobald dessen IdentitĂ€t feststand,cite-ref-187[187]cite-ref-188[188] scheiterte jedoch dann an der Inhaftierung Mannings.
‱ Die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation Global Exchange verlieh Manning 2012 ihren Publikumspreis.cite-ref-189[189]
‱ 2013 wurde Manning mit dem Sean MacBride Peace Prize ausgezeichnet.cite-ref-190[190]cite-ref-191[191] Die ehemalige US-Offizierin und Friedensaktivistin Ann Wright nahm den Preis stellvertretend fĂŒr Manning entgegen und sprach davon, Manning sei ĂŒberwĂ€ltigt, dass ihre Handlungen als Handlungen fĂŒr den Frieden wahrgenommen wurden. Manning distanzierte sich spĂ€ter von den Worten, die ihre Überzeugungen inakkurat wiedergegeben hĂ€tten, da sie sich selbst nicht als Pazifistin, sondern als BefĂŒrworterin staatlicher Transparenz sieht.cite-ref-192[192]cite-ref-193[193]
‱ Manning wurde in Abwesenheit am 19. Februar 2014 mit dem Sam Adams Award ausgezeichnet.cite-ref-194[194]cite-ref-195[195]
‱ Chelsea Manning ist Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs.cite-ref-196[196]

Film, Theater, Musik, Literatur

2013 drehte Regisseur Alex Gibney den Dokumentarfilm We Steal Secrets: Die WikiLeaks Geschichte, der die Entstehung von WikiLeaks mit Mannings Lebensgeschichte verknĂŒpft. Manning selbst gab fĂŒr die Entstehung des Films keine Interviews.cite-ref-197[197]

Der britische Dramatiker Tim Price schrieb 2012 ĂŒber Mannings Leben das TheaterstĂŒck The Radicalisation of Bradley Manning. Es wurde im Rahmen des Edinburgh Festival 2013 mit dem erstmals in der Kategorie Drama vergebenen James Tait Black Memorial Prize ausgezeichnet.cite-ref-198[198] Die deutschsprachige ErstauffĂŒhrung fand im Oktober 2014 am Theater und Orchester Heidelberg unter der Regie von Caro Thum statt. Die österreichische ErstauffĂŒhrung folgte im Landestheater Niederösterreich im Februar 2015 unter der Regie von Daniela Kranz.cite-ref-199[199]

Die Musikgruppe Flobots veröffentlichte einen gleichnamigen Song Bradley Manning.cite-ref-200[200]

Graham Nash thematisiert die Haftbedingungen Mannings in seinem Lied Almost Gone.cite-ref-201[201]

Der Schriftsteller Francis Nenik schrieb ein ProsastĂŒck, in dem er die AnklĂ€ger Mannings auftreten lĂ€sst.cite-ref-202[202]

Der KĂŒnstler und WikiLeaks-Aktivist Clark Stoeckley hat eine Graphic Novel mit dem Titel The United States vs. Private Chelsea Manning mit seinen (Auf-)Zeichnungen aus dem Gerichtssaal veröffentlicht.cite-ref-203[203]

Veröffentlichungen

‱ Chelsea Manning: README.txt. Meine Geschichte. aus dem amerikanischen Englisch von Katrin Harlay, Enrico Heinemann und Anne Emmert, HarperCollins 2022, ISBN 978-3-7499-0207-1.

Literatur

‱ Open Secrets: WikiLeaks, War and American Diplomacy.cite-ref-204[204] E-Book. The New York Times, 2011.
‱ Marcel Rosenbach, Holger Stark: Staatsfeind WikiLeaks. Wie eine Gruppe von Netzaktivisten die mĂ€chtigsten Nationen der Welt herausfordert. Deutsche Verlags-Anstalt, MĂŒnchen 2011, ISBN 978-3-421-04518-8, S. 131–153.
‱ Daniel Domscheit-Berg: Inside WikiLeaks. Meine Zeit bei der gefĂ€hrlichsten Website der Welt. Econ Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-430-20121-6, S. 167–180.
‱ Greg Mitchell, Kevin Gosztola: Truth and Consequences. The U.S. vs. Bradley Manning. Sinclair Books, New York 2012, ISBN 978-0-615-62197-5 (englisch).
‱ Tim Price: The Radicalisation of Bradley Manning. Methuen Drama, London 2012, ISBN 978-1-4081-7287-2 (englisch).
‱ Francis Nenik: Report (23/02/2013) ProsastĂŒck zum Fall Chelsea Manning.
‱ Geoffroy de Lagasnerie: Die Kunst der Revolte. Snowden, Assange, Manning. Suhrkamp, Berlin 2016, ISBN 978-3-518-58687-7 (französisch: L’Art de la rĂ©volte. Snowden, Assange, Manning. Paris 2015. Übersetzt von JĂŒrgen Schröder).
‱ Gerhard Baisch: Chelsea (Bradley) Manning, PreistrĂ€gerin 2011. In: ders., Hartmut Graßl, Bernd Hahnfeld, Angelika Hilbeck (Hrsg.): 20 Jahre Whistleblower-Preis. Was wurde aus den PreistrĂ€ger:innen und ihren EnthĂŒllungen?. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2023 (Wissenschaft in der Verantwortung; 7), ISBN 978-3-8305-5550-6, S. 221–245.

Weblinks

Commons

: Chelsea Manning

– Sammlung von Bildern und Videos

‱ Chelsea Manning bei IMDb
‱ UnterstĂŒtzerseite fĂŒr Manning (englisch, englisch/deutsch)
‱ Originaldokumente zur Anklage gegen Manning bei Wired.com (englisch; PDF; 5,5 MB)
‱ Artikel bei The Guardian zu den Mitschnitten der Chats zwischen Manning und Lamo (englisch)
‱ Wikileaks: TodesschĂŒtzen frei, EnthĂŒller in Haft (Video, 13 Minuten) – Fernsehmagazin Panorama, Februar 2011
‱ Chelsea Manning: LĂ€ngst kein Happy End Kommentar bei Spiegel Online, 17. Mai 2017, abgerufen am 17. Mai 2017.
‱ Chelsea Manning kritisiert renommierte US-Zeitungen (Interview, August 2017)

Einzelnachweise

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